Montag, 25. Dezember 2017

Kapitel 120) Achtsamkeit


Die Übung der Achtsamkeit ist nichts anderes, als die Übung von liebevoller Zuneigung.

Thich Nhat Hanh

Täglich darf ich es erleben:
neugierige Blicke, 
aufmerksam gespitzte Ohren.
Ruhe, Wärme, Frieden.
Meine Hände, die duftendes Heu verteilen.
Dem zufriedenen Mampfen lauschen.
Dunkle Pferdeaugen,
möchte darin versinken, die Zeit anhalten.
Würde gerne Gedanken erahnen,
von diesen edlen Geschöpfen.
Hufe, manchmal gemächlich,
doch über die Koppel galoppierend,
Musik in meinen Ohren.
Des Pferdes Wesen:
wachsam, sensibel, smart - und - 
mich Achtsamkeit lehrend,
Tag für Tag!


Wir wünschen Euch allen ein friedvolles Weihnachtsfest, schöne Feiertage und ein wunderbares Jahr 2018!











Dienstag, 21. November 2017

Kapitel 119) Der Freund des Besonderen


In Kapitel 114 habe ich über unseren Jac geschrieben. Jac, der Besondere! Als Blogger hat man die Möglichkeit zu schauen, wie oft eine Seite aufgerufen wurde. 976x wurde Jac´s Geschichte angeklickt. Ein Dankeschön an meine treuen Blogleser.

In diesem Kapitel geht es um den Freund des `Besonderen`- er ist der ´Freundliche`, der `Gelassene`. Sein Name ist Woody.

Jac und Woody Spielereien

Seit Ende Oktober 2007 bist Du nun bei uns. Ich erinnere mich an einen 9-Monate jungen Absetzer, ich habe dein Foto als Verkaufspferd im Internet entdeckt und wollte dich unbedingt live sehen. Der Ausflug hat sich gelohnt. Ich habe selten so ein gechilltes, ruhiges und schönes Hengstfohlen gesehen. Den Besuchern am Koppelrand schenktest du nur wenig Aufmerksamkeit, du hast uns nur aus der Ferne mit einem Auge beobachtet. Kurt und ich mussten lächeln bei deinem Anblick. Du schaffst es auch heute noch, mir täglich ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern - einfach mit deinem "Sein".

Schon bei der Heimfahrt stand fest, dass wir dich zu uns holen wollen. Du hast mein Herz im Sturm erobert, du kleiner Schlawiner. ❤

Beim Studieren der Quarter-Horse Papiere ist uns aufgefallen, dass du zu Jac blutsverwandt bist. Und doch: ihr seid so grundverschieden, wie es nur möglich ist. Nicht nur vom Charakter her, auch vom Körperbau.

Du hast dich prächtig entwickelt die ersten Jahre, hast uns aber trotzdem einige gesundheitliche Rätsel aufgegeben und mehrere Therapeuten und Tierärzte haben sich die Zähne an deinen Symptomen ausgebissen. Im Gegensatz zu Jac, der durch Rangeleien und seiner Wildheit öfter verletzt war, waren es bei dir diverse, diffuse Stoffwechselprobleme.
Einige Jahre später waren wir schlauer, du hast die Genmutation PSSM. Was hab ich mich um dich bemüht, Ausbildungen gemacht, Kurse besucht, mich in den unterschiedlichsten Gruppen in Facebook und Internetforen schlau gemacht. Bis heute stecke ich in dieser Materie und ich bin dir sehr dankbar dafür.
Wo uns Jac ganz deutlich immer wieder auf die Dringlichkeit eines pferdegerechten Ausbildungsweges in Form der Altkalifornischen Reitweise hingewiesen hat, so hast uns du auf den Weg zu artgerechter Haltung und Fütterung - back-to-the-roots - geführt.



Dein Anreiten mit 3,5 Jahren verlief völlig unspektakulär und gelassen. Die ersten Jahre, bevor du gesattelt wurdest, haben wir viele Spaziergänge gemacht, manchmal hat dich Kurt auch als Handpferd mitgenommen. Jac, der Besondere, hat deine Gesellschaft aufgrund deiner Gelassenheit geschätzt. Dein 2. Name ist `Geduld`, stimmt´s ?  😍

Unter Artgenossen bist du taff und man kann oft staunen über deine Wendigkeit, die nicht wirklich mit der Optik deines bombigen Körperbaus übereinstimmen mag.
Du hast keine Figur wie eine Primaballerina, aber einen breiten Brustkorb, in dem ein großes, liebenswertes Herz schlägt, und deine Beine und Hufe, die stark und geerdet sind, gleichen Baumstämmen, sie tragen uns überall geduldig hin. Auf deinem Rücken sitzt man gern, ist er doch breit und bequem wie ein Canapé. 
Menschen, die dich nicht so oft sehen oder nicht besonders gut kennen, verwechseln deine Gelassenheit manchmal mit Sturheit. Ich sage: du sparst Energie! Hysterie ist für dich ein Fremdwort, du schaust dir etwas genau an, beurteilst korrekt und erst dann entscheidest du, ob Flucht sich lohnt. Meist lohnt sie sich absolut nicht. 😀

Und doch - wie gern du über die Koppel saust, buckelnd im gestreckten Galopp. 

Überhaupt scheint Bocken ein Hobby von dir zu sein. Manchmal vergisst du sogar unterm Sattel den Rücken still zu halten und würdest gern eine Runde bocken. Erinnert man dich daran, dass jemand oben sitzt, fällt es dir sogleich wieder ein, artig zu sein.
Ich habe ja den leisen Verdacht, dass du uns so deine Zufriedenheit und Lebensfreude mitteilen willst.
Menschen gegenüber bist du ein überaus freundliches Pferdewesen. Betritt man Paddock oder Weide, kommst du neugierig angetrabt. Spannend wird es, wenn sich deine Körpermasse im Galopp bergab auf einen zu bewegt. Doch deine Einschätzung hat dich noch nie getäuscht und du hast immer früh genug die Bremse gezogen.

Viele Stunden haben wir schon gemeinsam mit dem Tierarzt in deiner Box verbracht. Deine Stoffwechselprobleme, PSSM-Schübe, Koliken .... haben uns zusammengeschweißt. Als ob du spüren würdest, wie sehr wir uns bemühen dir zu helfen, hältst du still und bist geduldig bei der Behandlung. 
Einige schlaflose Nächte vor Sorgen sind ins Land gezogen und deine Art, mir zu zeigen, dass alles okay ist, so wie es ist, lässt mich staunen. Kommt man nächsten Tag in den Stall, wo am Vortag der Veterinär noch an deiner Seite stand, funkeln deine dunklen Augen mich an, du beschnupperst meine Hand und schnaubst tief durch. "Es geht mir gut, sorge dich nicht so viel!" Überhaupt scheint dein Lebensmotto zu sein: "Die Welt ist gut, das Leben ist schön." So ist mein Woody.

Uns verbindet eine spezielle Freundschaft, wenn man so viel durch dick und dünn geht, dann haben nicht die Stunden auf deinem Rücken Priorität für mich. Es sind die besonderen Momente mit dir, unsere täglichen Rituale. Wenn ich am Morgen meine Nase in dein weiches Fell hinter den Ohren stecke und du an meiner Hand riechst, wenn du mich spüren lässt, wie wichtig ich bin in deiner Nähe.  Weil Du mein Freund bist und der Freund des `Besonderen`. Und weil Du meiner Seele gut tust.

Manchmal hab ich den Verdacht, es steckt ein Einhorn in dir, denn das Einhorn steht für das Gute an sich – es steht für das Licht, für Harmonie und für Sanftheit. 

Danke, mein Freund.

















Dienstag, 7. November 2017

Kapitel 118)


2018


Das Hobby zum Beruf zu machen ist für viele von uns der Traum! Im Jahr 2018 soll dieser Traum vermehrt für mich Realität werden.

Mein Hobby ist die Reiterei, der Umgang und die Arbeit mit Pferden. 
PRO EQUI DIGNITATE (für die Würde des Pferdes) ist durch ganz besondere Menschen auch zu unserem Stallmotto in Jac´s Stable geworden.
Ich arbeite aber auch sehr gern mit Menschen und habe in meinem "normalen" Berufsleben damit schon ganz viel Erfahrung sammeln dürfen. 


`Westernreiten back to the roots`und meine Aussage `REITEN IST EINFACH´ sind mittlerweile für einige schon ein Begriff. 😉

Ziel für 2018 ist, meine Trainingsidee weiter zu verbreiten und die Trainerzusammenarbeit im Sinne von Westernreiten back to the roots auszubauen.

Für 2018 gibt es schon ein tolles Kursangebot. Wer Lust hat, dabei zu sein, darf sich bei den Veranstaltern gerne melden. Ich würde mich aber natürlich auch sehr über neue Kontakte und Kursorte freuen!

Kurse 2018

07. - 08.04.2018:        Pferderanch Schrick, Josef-Weilandstr. 32, A-2192 Schrick / NÖ
                                  Org.: Jacqueline Riedl, Tel.: +43 676 400 9886

21. - 22.04.2018 u.      Wooden Wheel Ranch, A-6250 Kundl / Tirol
06. - 07.10.2018:         Org.: Claudia und Hardy Ocvirk, Tel.: +43 664 617 1302

28. - 29.04.2018 u.      Pferdestall Payer, A-8625 Turnau / Stmk.
22. - 23.09.2018:         Org.: Petra Kienesberger, Tel.: +43 699 113 26 982

31.05.-03.06.2018:      Wallis / Schweiz

23. - 24.06.2018 u.      A-3213 Frankenfels / NÖ
29. - 30.09.2018:         Org.: Sabine Kern, Tel.: +43 680 116 9995

01. - 02.09.2018:         A-4941 Mehrnbach / OÖ
                                  Org.: Marion Hynie, Tel.: +43 660 47 22345



Mittwoch, 6. September 2017

Kapitel 117) Die schöne Helena in Jac´s Stable


Gleich im ersten Jahr, als die Pferde im umgebauten Stall von "Jac´s Stable" eingezogen sind, habe ich mir einen kleinen (Heil)Kräutergarten an der Stallmauer angelegt.

Eine der ersten Pflanzen war "Alant" (Inula helenium) - oder auch "Helenenkraut", "Sonnenwurz" - die ich eingepflanzt habe.
Schon als Kind ist mir diese imposante, ausdauernde Staude, die bis fast zwei Meter hoch werden kann, in den Bauerngärten am Land aufgefallen. Die Blüten sind strahlend gelb, die großen Laubblätter sind fein gezahnt, derb und an ihrer Unterseite behaart, sie schimmern silbrig. Man verwendete ihn in der ganzen Welt als Heil- und Zierpflanze.

Die schöne Helena (so wird sie von mir genannt) birgt in ihren Blüten die Sonne in sich, aufrecht und sonnengleich gedeiht sie auch im Halbschatten. Interessanterweise wurde Alant früher auch noch "Horseheal", also "Pferdeheiler", genannt. Dies weist auf die medizinische Anwendung der Heilpflanze für Pferde hin. Früher behandelten Tierärzte Pferde, die unter Lungenerkrankungen litten, mit Alant. 
Alant wird auch Helenenkraut genannt, weil er nach griechischer Mythologie aus den Tränen der Helena hervorging. Es wird auch berichtet, dass sich die schöne Helena mit Alantblüten schmückte, bevor sie Paris folgte.
Kurz und gut: ich musste diese Pflanze bei uns am Stall haben. 😉

ABER:
die schöne Helena wollte nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Im ersten Jahr kümmerte sie ein wenig vor sich hin, von 2 Metern Höhe konnte ich nur träumen. Im zweiten Jahr war es noch immer nicht besser, von sonnigen Blüten keine Spur (dabei war die Staude ja schon etwas älter, daran konnte es nicht gelegen haben). So hab ich der schönen Helena eine kleine Elfenfigur zur Seite gestellt - vielleicht fühlt sie sich dann nicht so einsam 😊 (so waren zumindest meine Gedanken damals). 
Tatsächlich wuchs sie im Jahr darauf in die Höhe, leider aber nur sehr spärlich mit Blüten ausgestattet.
Die Jahre zogen ins Land, unser neues Wohnhaus und somit unser Lebensmittelpunkt ist gegenüber dem Kräutergarten entstanden - in dem Jahr der Bauarbeiten war der Kräutergarten sogar mit einem Bauzaun eingezäunt und ich konnte mich nicht um Beifuß, Wermut, Alant, Johanniskraut, Eibisch, Beinwell kümmern - der Garten war sozusagen sich selber überlassen.
Seitdem wir hier wohnen bin ich oft an den Pflanzen vorbei marschiert und manchmal flüstere ich ihnen Erlebnisse, Gedanken.... wenn auch nur still. 
Der schönen Helena hab ich aber besondere Aufmerksamkeit geschenkt, hab mich immer gefragt, ob ihr denn der Platz nicht gefällt, den ich ausgesucht habe, ob sie sich nicht wohl fühlt hier an der Stallwand ??.......

In Gertrude Messner´s Buch "Kräuterhandbuch - Altes Wissen neu entdecken" finden sich folgende schöne Zeilen über Alant:

"Man sagt über Alant, da sitzen Engel oder Elfen drin, und manche haben sie in ihrer Kindheit auch gesehen....Alant ist eine Schutzpflanze für jeden Garten. In meinem eigenen Kräutergarten ist einfach nichts Giftiges aufgegangen. Ich habe alles Mögliche probiert, Tollkirsche, Rittersporn usw. aber es war zwecklos. Der positive Schutz von Alant verhindert das Wachsen von negativen Pflanzen." 

Alant hilft in dunklen Zeiten uns aufzurichten und zu uns selbst zu stehen. So kann man die Wurzel von Alant in vielen Räuchermischungen finden (auch in meinen Jahreskreisräuchermischungen findet sich Alant). 
Bis in das späte Mittelalter wurde Alant häufig als Heilkraut genutzt, Alant war Bestandteil von "Kräutertranken", dem Vieh wurde Alantwurzel verfüttert, und man band so viele Alantwurzeln in den Kräuterbuschen wie Vieh im Stall stand usw. usf......

Doch zurück zu "meiner" Helena.
Heuer, erstmals nach 7 Jahren an der Stallmauer von Jac´s Stable, strahlt mich Helena an. Mit reichlich Blüten ausgestattet, Bienen und Schmetterlinge anlockend, aufrecht und robust leuchtet sie! 

Kurt hat mich mal gefragt, was ich mit all den Pflanzen hier so mache und was sie für einen "Sinn" hätten? 
Neben ein paar Tinkturen, Ölen und Salben für den Eigenbedarf haben sie für mich eine ganz tolle Bestimmung:

Mensch & Tier + den Stall hier zu schützen (Alant soll ja Unheil abwenden und vor "Hexenschuss" schützen 😆). Das Leuchten und Summen und die positive Aura, die uns aus dem kleinen Kräutergarten begegnen, sind jede Arbeit wert.







Und was hat mich die schöne Helena nun gelehrt, indem sie mich so lange warten ließ auf ihre Blüten ?


"Konzentration und Geduld weisen den Weg."  Zen Buddhismus

und 

"Wenn die Leidenschaft dich antreibt, dann lass die Vernunft die Zügel halten."

Benjamin Franklin

Übrigens: Heute hab ich einen Gästebucheintrag hochgeladen (ganz oben in der Menüleiste). Schaut doch mal rein.

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Donnerstag, 27. Juli 2017

Kapitel 116) Warum haben Bäuerinnen rote Wangen ?


Gestern kam ich um 21:45 Uhr vom Stall rein. Wieso erst so spät?
Nun, wir haben gerade Regenwetterperiode. Es regnet seit ca. 3 Tagen ununterbrochen, mal mehr, mal weniger, mal quer, mal von oben herab. In allen Facetten kommt das Nass auf uns nieder.
Es ist auch gut so, denn es war die letzten Wochen viel zu trocken und heiß.
Die Weide konnte gar nicht mehr richtig nachwachsen.

Ich habe mir also gestern beim Ausmisten so meine Gedanken gemacht. Alleine als Frau (der Mann ziemlich eingespannt im Brotjob) um so eine Uhrzeit wird man nachdenklich 😏 .

Wir sind Stallbetreiber. Seit fast 7 Jahren schaukeln wir unseren "Jac´s Stable" in Eigenregie. Zwei eigene Pferde teilen sich mit zwei Einstellerpferden unser kleines Anwesen. Ich hab mich also gefragt: "Wann ist eigentlich die beste Jahreszeit für die Stallbetreiber?"

Beginnen wir mit dem Winter (Jänner, Februar). Diese Monate sind meist extrem kalt. Man kommt also mit Handschuhen, Winterstiefeln, Haube, warmer Jacke ausgerüstet zur Stallarbeit. In der Stallgasse hat es gerade mal 2 Grad mehr als die Aussentemperatur (gefühlte Minus 20 Grad).


Klirrend kalt. Die Kälte vom Stiel der Alumistgabel kriecht durch die Handschuhe. Der Atem der Pferde macht Wolken, sie dürfen raus aufs Paddock, damit wir die Boxen misten können. Die kluge Natur lässt ihr Winterfell pfluffig ihre Körper ummanteln, ihnen ist nicht kalt. Sie scheinen 100 kg mehr auf den Rippen zu haben, jetzt, im Winter. Dabei ist das alles wirklich, ehrlich, "nur" Winterfell! 😜
Ja, etwas Fettschicht ist auch dabei, das ist aber ebenso natürlich, weil es Schutz gibt und wärmt.

Sind die Pferde im Winter in gemütlicher, energiesparender Manier auf´s Paddock marschiert, können Kurt und ich uns der Stallarbeit widmen. Eingehüllt, arbeitend, schweigend verrichten wir unser Morgenwerk. Es wird auch mit Bewegung nicht wärmer - ganz im Gegenteil - die Kälte kriecht durch die Winterstiefeln bis in die Hände und in den Kopf. Richtig blöd wird´s, wenn man die Selbsttränker von der Eisschicht befreien muss, weil dann hat man auch noch Kontakt mit Wasser.
Ist die Arbeit getan, wünscht man sich ein warmes Vollbad. Dem kann man aber aufgrund von Büroarbeit etc. nicht nachgehen.
Abends wieder ein ähnliches Spiel: Paddock abmisten. Hier ist man dann auch ganz nett Wind und Witterung ausgesetzt. Um die Wangen der Bäuerin (in dem Falle ich) fegt Väterchen Frost und zaubert Farben von rot bis bläulich!
Egal, denn:
Wir lieben Pferde!

Nächste Jahreszeit: der Frühling!
Oh, wunderschön. Da muss es doch endlich mal besser sein.
Nicht so, wenn man Pferde hat. Pferde sind Stoffwechsel-sensible Tiere. Sie brauchen sehr viel spezielle Betreuung. Man kann sie nicht einfach von heute auf morgen auf die saftige Wiese stellen (können schon, ist aber nicht ratsam).
Zuerst wochenlang an der Hand anweiden, in langsamen Schritten. Nicht zu viel Eiweiß, Fruktan auf einmal. Zeit lassen. Und dann mal die wohl gepflegten Koppeln für 1/2 Stunde öffnen.

Jedes Pferd ist anders. Man sollte gut beobachten und achtsam sein. So wird dann natürlich auch jeden Tag (auch im Winter und zu den anderen Jahreszeiten natürlich) geschaut, ob die Beine in Ordnung sind, ob die Pferde klar gehen, ob sie Kreislaufprobleme, Bauchschmerzen (Kolik ?) haben etc.
Manchmal geht man mehrmals täglich Nachschau halten, sammelt zu dieser Jahreszeit auch Kotproben (übrigens auch im Herbst), wegen der selektiven Entwurmung. Die Bäuerin hält nach Mauke Ausschau, setzt Fliegenmasken auf, kontrolliert die Pferde vom Schopf bis zum Huf. Im Frühling ist es auch an der Zeit, das Jahr zu planen: Heu und Einstreu zu bestellen usw. - kurzum: den reibungslosen Ablauf am Hof zu organisieren. Ziemlich zeitaufwändig das alles.
Egal, denn:
Wir lieben Pferde!

Nun, ev. dann im Sommer ?
😂 der liebe Sommer. Mit summenden Bienen, Schmetterlingen, lauen Lüftchen, Lagerfeuerromantik, wunderbaren Temperaturen UND...... Stechviecherzeugs.
Es tummeln sich auch Bremsen, Fliegen, Mücken, Gnitzen in munteren Schwärmen auf Paddock und Stall. Zum Leidwesen der Pferde (und der Stallbetreiber).
Die Bäuerin, vielleicht schon etwas angebräunt vom Frühling, trägt nun hoffentlich Sonnenschutzcreme, Kopfschutz und Mückenschutz. Ansonsten wird sie von der Sonne gebrannt bzw. von den Stechviechern attackiert. Immerhin riecht sie im Stall und am Paddock sehr verlockend nach Schweiß bei der Arbeit. 😄
Die Pferde dürfen nun über Nacht auf die Koppel, die Stechmückenplage wäre reine Zumutung. Bevor sie ins Freie gelassen werden, sprüht die Bäuerin noch alle Pferde kräftig und beherzt mit Fliegenspray ein. Nicht nur die Pferde riechen dann sehr speziell, auch die Bäuerin.
Mit der Ausmistarbeit kann dann eben erst nach 20:00 Uhr begonnen werden. Aber zwischen Tag und Nacht gibt es keinen Zaun, heißt es so schön.

Der Bauer (in dem Falle Kurt) bemüht sich um ordnungsgemäße Weidezäune, mäht die Koppelumrandung mehrmals in der Saison sorgfältig aus, prüft Strom und Baumabgrenzung, mistet die Wege ab, legt Baumstämme, besorgt neue Strombänder. Bei uns am Stall geht alles händisch - wegen fehlender landwirtschaftlicher Geräte! Und im Sommer, bei über 30 Grad, ist das eher nicht so witzig.


Manchmal gönnt man den Pferden auch eine Abkühlung mit dem Wassersprenkler. Ist aber oft kontraproduktiv, weil das erst wieder die Stechmücken anlockt.

Auch wird im Sommer Stall geputzt. Der Bauer liebt Genauigkeit (ja, ich geb´s zu - die Bäuerin auch). So wird ein perfekter, leistungsstarker Staubsauger besorgt, mit dem
Man(N), hoch oben auf der Leiter stehend, alle Balken, Ritzen, Aufstallung .... absaugen kann. Die Bäuerin kümmert sich um Tröge, Tränker, Fenster, Windschutznetze und schwitzt, was das Zeug hält. Auch wird das Reiterstüberl wieder mal gründlich durchgeputzt.
EMA (= effektive Mikroorganismen) werden schon im Frühjahr bestellt und mehrmals die Woche wird Stall damit ausgesprüht, um ein gutes Stallklima zu gewährleisten.
Manchmal beißen auch Bremsen und Stallfliegen in Waden und Arme.
Egal, denn:
Wir lieben Pferde!

Wie wäre es mit dem Herbst ?
Ähnliches Problem wie im Frühling. Sind die Nächte schon zu kühl (unter +10 Grad), soll man die Pferde lieber nicht auf das von der Sonne angeschienene Gras lassen. Schon gar nicht, wenn das Gras (wie ja meist um diese Jahreszeit) schon sehr kurz und abgefressen / gestresst ist.
Hufrehe und Stoffwechselentgleisungen können die Folge sein. Die Pferde werden wieder umgestellt auf Tagweidegang. Aber auch nur, wenn die Bedingungen passen. Die Bäuerin nimmt es da auch wieder sehr genau.
Im Herbst / Spätsommer kommt dann auch die Heulieferung des aktuellen Jahres. Wobei Heulieferungen bei uns ja immer regelmäßig kommen. Dann heißt es wieder Arbeitseinsatz - Heuballen (Kleinballen bis max. 15 kg / Stück) schleppen -  stärkt die Muskulatur, hält fit.
Doch für die Pferde bedeutet das wieder "Futterumstellung" - was auch wieder nicht alle ganz so easy vertragen. Auch hier ist wieder Vorsicht geboten.
An manch warmen Herbsttagen tummeln sich noch etliche Fliegen, Gelsen. Dann bekommen die Pferde wieder ihre Fliegenmasken. Sollte es regnen und windig sein, legen wir den Pferden eine Regendecke auf.


Man merkt es ihnen an - der Fellwechsel ist in vollem Gange und sie brauchen Energie. Die Fütterung muss angepasst werden.
Die Bäuerin befasst sich ausführlich mit dem Thema Heuanalyse und Winterfütterung. Der Bauer macht "winterfest", räumt Dachrinnen aus, recht das Laub auf den Wegen und Wiesen. Bei ersten Schneefällen werden natürlich händisch Paddock und die Einfahrten / Zufahrten geräumt, mit der Schneeschaufel (im Winter ebenso, hab ich vergessen) 😊.

Es ist sehr, sehr schön bei uns. Das Leben hier macht täglich sehr viel Freude. Und das ist einfach unsere Einstellung, wir wollen unserer Philosophie treu bleiben: in Haltung, Fütterung, Training, Ausbildung und im Umgang mit dem wunderbaren Lebewesen Pferd.

Aber manchmal - an Tagen wie gestern, wenn ich bis 21:45 Uhr im Stall stehe, damit die Pferde frisch eingestreute Boxen haben und sie ihre Beine beim Regenwetter doch noch am Paddock vertreten konnten - an solchen Tagen ist es ein klein wenig mühsam.

Wann ist also die beste Jahreszeit für (Pferde)Stallbetreiber ?

Vielleicht will mir jemand unten kommentieren und einen Vorschlag schicken? Ich weiß es nämlich nicht. 😃
Im Grunde genommen ist es aber egal.

Wir lieben Pferde und wir lieben diese Arbeit bei den Pferden!



Ganz toll finden wir, dass wir uns auf unsere Töchter und EinstellerInnen / Freundinnen verlassen können. Möchten wir mal für 1 oder 2 Tage weg fahren, sind die Pferde in besten Händen. Denn Pferde brauchen sehr viel Zeit – in Betreuung und Versorgung bzw. auch die Sauberkeit in Boxen und Paddock etc. ist uns sehr wichtig.

Ein Dankeschön an dieser Stelle an alle Helfer.


Und wieso haben Bäuerinnen nun rote Wangen ?



Meine Kosmetikerin hat mir gesagt, das sei Couperose. Dies ist eine Rötung im Bereich der Wangen und der Nase durch Weitung der Äderchen aufgrund von vermehrt und abwechselnd Hitze / Kälte, Wind,  UV-Strahlung.
Jetzt wissen wir auch, wieso so viele Bäuerinnen früher rote Wangen hatten.
Heutzutage heißt das ganz vornehm Couperose. So ein nobles Wort passt auch besser in einen Pferdestall, wie ich finde. 😊


P.S.: Die Bäuerin hat ja ihren eigenen Blog - da hat sie mal einen Artikel über "Die Grundbedürfnisse der Pferde" geschrieben. Siehe Link: