Mittwoch, 17. April 2019

Kapitel 124) Gentlemen´s Agreement


Ein wichtiger Tag ist heute!
Unser Namensgeber für unseren Stall, "Jac", wird heute 19 Jahre.
Umgerechnet in Menschenleben wäre Jac somit ca. 76 Jahre alt.
Ich habe jedoch den leisen Verdacht, dass ihm das noch niemand gesagt hat 😊 .

Er ist noch immer so wendig, flink, smart, charismatisch und sensibel wie eh und je. Was sich jedoch geändert hat in den letzten Jahren ist seine Einstellung zu uns Menschen, und darüber bin ich sehr dankbar. Ganz sicher ist das auch Kurt zu verdanken, der eine unglaubliche Geduld hatte, dieses Pferd auszubilden.
Mit feinem Händchen, viel Gespür und den richtigen Emotionen muss man so einem Pferd begegnen - anders geht's wahrscheinlich daneben. Sowohl für das Pferd, als auch für den Menschen.

In meinem Kapitel 114) "Etwas Besonderes wie Du!" bin ich schon mal näher darauf eingegangen, wie unsere Vergangenheit mit Jac war, welche Anfangsschwierigkeiten wir hatten, wie oft er uns auf die Probe gestellt hat. Nach all den Jahren kann ich sagen, dass sich die Geduld mehr als gelohnt hat - sowohl für Jac, als auch für uns.
Ich glaube, es war Jean-Claude Dysli, der meinte: "So ein Pferd lehrt euch Bescheidenheit und Demut!" - genauso war es.





Morgen feiern wir auch - nämlich den Kauf dieses Grundstückes hier, der am 18.04.2009 mit einer Unterschrift besiegelt wurde. Ein Traum ist für uns in Erfüllung gegangen.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als wir unsere Pferde übersiedelt haben, sie nach der Ankunft sofort auf unsere eigene Weide gelassen haben!





Das war der 31.10.2009. Jac und Woody haben sich an diesem Ort vom ersten Augenblick an wohl gefühlt, so wie wir. 

Einige Tage nach der Ankunft hatte ich ein besonderes Erlebnis mit Jac - diesem sensiblen Pferd mit dem großen Herz! Ich marschierte langsam auf die Koppel, um sie zu besuchen und zu beobachten. Da stand er dann, wandte sich mir zu, schaute mich mit seinen dunklen Augen durchdringend an. Er stand völlig still, so wie ich. Irgendwie - fragt bloß nicht näher nach - tauchten in mir Fragen auf:

"Bin ich nun endlich angekommen? Bleiben wir hier für immer, bis zum letzten Atemzug?"

Ich war völlig perplex. Sein Blick war noch immer auf mich gerichtet.

"Ja, das verspreche ich dir! Für immer, Jac!" ,

hab ich mit einem dicken Kloß im Hals geflüstert.

Jac schnaubte hörbar tief durch, senkte den Kopf und ging gemächlichen Schrittes davon.

Wir haben ein Gentlemen´s Agreement getroffen, eine stille, mündliche Vereinbarung auf gegenseitigem Vertrauen gegründet. Dieses Erlebnis hat mich tief berührt.

Ich werde mein Versprechen halten, Jac!





Sonntag, 23. Dezember 2018

Kapitel 123) Weihnachten 2018


Beim Stöbern in Manuela´s "Jac´s Stable Blog" bin ich wieder auf Kapitel 108) "Besondere Ziele" gestoßen. Es hat sich nichts geändert: 

"Ein Fundament für Pferd und Mensch schaffen!"

ist noch immer meine Intention. 
Das vorläufige Kursprogramm für 2019 ist eine Bestätigung für meine beharrliche Arbeit in diese Richtung.


Ein ganz wichtiger Punkt, wieso ich meine Arbeit überhaupt mache, ist Jean-Claude Dysli. Der Name eines ganz großen Pferdemenschen soll nicht von den Reitplätze verschwinden! 
Manche kennen ihn von Kursen oder Videos, manche gar nicht und viele haben diesen Namen, weil er nicht mehr in ihre Reitphilosophie passt, überhaupt gestrichen.
Er ist dennoch der Begründer der Westernreiterei in Europa und hatte mit George und Harry Rose, Bill und Tom Dorance, Ray Hunt…. die besten Lehrmeister! 







Ich habe ihn auch erst auf Umwegen und bei der Suche nach einem Ausweg (für meinen Jac) fast zu spät kennengelernt. Seine Philosophie hat mich so begeistert, dass sie die Basis für meine "Pferde- und Reitausbildung in Anlehnung an die Kalifornische Tradition" wurde.
Anfangs waren es nur Einzelteile, die ich immer wieder sah, ich wollte aber für mich den "Plan" herausfinden. Bautechniker eben 😄.

Manuela und ich durften in Spanien die Trainingswoche ganz alleine mit ihm verbringen und es gab genügend Zeit, meine Recherchen und das entstandene "Kopfkino" zu diskutieren. Ein dabei entstandenes Video entlockt uns immer wieder einen Lacher. Gänsehaut kommt auf, wenn er über die Mentalität dieser Vaqueros und Buckaroos im Video spricht.

Bei meinem Ausbildungsweg mache ich mir erst mal am Boden dieses Rangordnungsprinzip der Herde und diesen sogenannten Herdenmagnet Zunutze. Beim Reiten geht's mir darum, eine Sprache zu finden, damit ich als Mensch die Grundmanöver abrufen kann. Je einfacher diese Sprache ist, umso leichter werden sich Pferd und Reiter verstehen. Reiten über die Balance ist für mich der Schlüssel dazu. Keine Doppel- und Dreifachhilfen! Die Zügel sind dabei weder Lenkung, noch Bremse und dienen nur zum Stellen und Positionieren von Kopf und Hals. So wird Reiten einfach!
Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt bei der Ausbildung von Pferden ist, Pferde so zu reiten und zu trainieren, dass sie physisch und psychisch gesund bleiben, was bei der sportbezogenen Reiterei für mich leider nicht der Fall ist. 

Im Mai 2013, als Jean-Claude zu Besuch in Jac´s Stable war, hab ich ihm die Kurt Murauer Version über "Pferde- und Reitausbildung in Anlehnung an die Kalifornische Tradition" gezeigt. Seither arbeite ich genau nach diesem Konzept. Es geht dabei um eine Grundausbildung für Pferd und Reiter. Mittlerweile ist mein Spruch "Reiten ist einfach!" schon vielen ein Begriff. :)

In diesem Sinne wünschen Manuela und ich Frohe Weihnachten und ein Gutes, Gesundes 2019 mit "Westernreiten back to the roots". 
















Dienstag, 9. Oktober 2018

Neue Gasteinträge!


Im Untermenü "Gasteinträge von Kursteilnehmern und Reitschülern" gibt es wieder Neuigkeiten!

Wir freuen uns immer sehr, wenn ihr uns Berichte oder Erfahrungen schickt. 

Danke an die fleißigen Schreiber unter euch 😊


gasteintraege-von-Kursteilnehmern


Euer Kurt & Manuela  von Jac´s Stable 


hier findet ihr übrigens nähere Infos und die kommenden Kurse von Kurt: 

http://www.westernreiten-backtotheroots.com/kurse-kurt-murauer/



Dienstag, 24. Juli 2018

Kapitel 122) Zitate von Jean-Claude Dysli Teil 2



Zitate von Jean-Claude - Teil 2


  • Ich habe mich in den letzten Jahren ganz intensiv mit dem "Warum und Wieso" unserer Probleme mit Pferden befasst. Es muss doch einen Grund geben, warum  unsere Reiter mit den Pferden nicht in dem Maße kommunizieren können, wie es der Fall sein sollte?! Woher kommt das? Es kommt meiner Meinung nach aus der Tatsache, dass das Wesen des Pferdes nicht verstanden wird. Pferde sind Fluchttiere und haben keinen geografischen Ort, wo sie sich sicher fühlen. Das Herdenleben ist seine Geborgenheit und Sicherheit. Das Rangordnungsprinzip in der Herde verdeutlicht noch mehr diese Sicherheit, und DA muss ich das Pferd packen! Ich muss diesen Herdenmagnet nutzen und ihm als Mensch die Herde ersetzen. Aufgrund ihres Fluchtinstinktes versuchen sie nach vorne wegzulaufen. Um dem zu entgegnen, sollte als Erstes ein bestimmter Rangordnungsrespekt des Pferdes gegenüber dem Reiter entstanden sein. Zweitens muss eine gute Vertrauensbasis geschaffen werden und der Reiter darf keine unnötigen Erregungen auf das Pferd übertragen.
  • Die Idee, die mir beim Training als das Fundament der ganzen Arbeit mit Pferden als richtig erscheint, ist die Verbindung mit dem Pferd zu suchen und es rückwärts denken zu lassen. Es soll nicht wie ein Fluchttier nach vorne denken, sondern sich auf das Momentum nach hinten beziehen. Das Pferd soll partnerschaftlich an den Reiter gebunden sein. Ach, es ist doch viel schöner, ein Pferd vorwärts zu schieben, als es immer im Maul zurückhalten zu müssen! Dies führt nur zu Disharmonie und es wird sich widersetzen! 
  • Ich möchte, dass das Pferd dem Reiter näher gebracht wird und der Mensch versteht mit ihm zu kommunizieren. Ich, als Mensch, muss mit dem Pferd so kommunizieren, dass es sich bei mir wohl fühlt, dass ich mehr oder weniger ein Kumpel bin, den es respektiert. Die Herdenordnung hat eine ganz bestimmte Rangordnung zur Folge und das ist entscheidend in der Kommunikation mit Pferden. 
  • Wir sind in dieser sportbezogenen Reiterei zu Extremisten geworden! Natürliches Reiten zur Freude von Mensch und Pferd haben wir verlernt.
  • Es ist eine Irrmeinung, dass man Pferde nur in der Reitbahn ausbilden kann. Im Gelände kannst du viel wirklichkeitsgetreuer üben. Ein Pferd verhält sich draußen ganz anders, als in der Bahn. Der Schritt im Gelände ist das allerbeste, um ein Pferd zu konditionieren. Früher sind wir 2-3 Tage nach dem Anreiten schon ins Gelände gegangen. In der Bahn werden die Pferde irgendwann sauer, draußen hältst du dir die Pferde aber unwahrscheinlich frisch. Du kannst da alles natürlich üben. Im Gelände ist mir die Ruhe das oberste Gebot.
  • Wichtig ist, nur so viel Druck aufzubauen, wie unbedingt nötig. Eigene Emotionen muss man beherrschen und kontrollieren können. Wenn das Pferd nachgibt, muss sofort das Lob in Form von Nachgeben kommen. Damit lernt das Pferd, sich selbst in dieses Lob hineinzuarbeiten. Es wird Druck vermeiden und Lob suchen. Druck muss immer von unten aufgebaut werden.
  • Man muss nicht den großen Unterschied machen zwischen der Westernreiterei und der allgemeinen Reiterei. Wir reiten alle "nur" Pferde!
  • Es gibt immer einen Grund für jede Bewegung, Regung und Handlung des Pferdes. Nur, wer sich Zeit und Mühe nimmt, gut und überlegt zu beobachten, wird im Umgang mit Pferden Erfolg verbuchen.
  • Jedes Pferd ist verschieden! Deshalb gibt es auch kein absolutes Muster, nach dem alle Pferde einzureiten und zu trainieren sind. Jede Charaktereigenschaft unseres Pferdes, alles, was wir für "schlechte Manieren" halten, muss analysiert werden. Erst danach erstelle man sich den individuellen Plan, nachdem man sein Pferd arbeitet. Dieser Plan wird sich auch oft als falsch herausstellen, sodass man weitersuchen muss, bis sich das gewünschte Resultat einstellt.

Dienstag, 17. April 2018

Kapitel 121) Zitate von Jean-Claude Dysli - Teil 1


Seit einigen Jahren sammelt Kurt zahlreiche Zitate von Jean-Claude Dysli, die wir entweder online, aus Büchern oder in persönlichen Gesprächen von ihm gehört haben.
Seine Worte haben sich uns sehr eingeprägt und begleiten uns beinahe täglich.
Oft müssen wir lachen, wenn uns in einer bestimmten Situation im Umgang mit den Pferden die selben Worte gemeinsam einfallen.
Ein außergewöhnlicher, ungemein charismatischer Pferdemensch war er!

Lasst euch inspirieren.

Teil 1 darf ich euch heute hier vorstellen, es folgen noch weitere Einträge.





  • Ein richtiger Horseman benimmt sich nicht dominant und aggressiv, sondern er strahlt Bestimmtheit, Ruhe und Klarheit aus.   
  • Gefühl, Ruhe und Liebe lösen beim Partner Pferd Vertrauen aus. Ein Pferd, das sich geborgen fühlt, lernt willig Neues. Ein ängstliches Pferd lernt nie. Es wird jede Chance wahrnehmen, um dem Reiter auszuweichen, ihm durch Flucht zu entkommen. Mehr als bei jeder anderen Reitweise liegt beim Hackamore-Reiter der Erfolg in den Händen - besonders in den ersten zehn Lektionen. Ein Pferd, das auf Trense "sauer" wurde, kann man auf die Weide schicken und wieder neu einreiten. Ein Hackamore-"saures" Pferd hat gelernt, dass der Reiter ihm nur wenig tun kann und es lässt sich dieses Wissen nie mehr abkaufen! 
  • Timing ist, im richtigen Zeitpunkt, richtig dosiert, die Hilfen anzubringen. Dazu muss man aber schon im Voraus spüren, was das Pferd machen wird und da sind wir dann wieder beim Feeling! 
  • Nichts ist in der Reiterei unmöglich, wenn das Pferd ein Teil von dir wird!
  • Die Balance ist meine Steuerung! Das Feeling musst du dir über die Jahre erarbeiten und das Timing ist die Disziplinierung des Pferdes. 
  • Ein Pferd lernt nur aus der Ruhe, es wird aus einer Erregung nie was lernen. Im Gegenteil, es wird nur Blödsinn lernen!
  • Arbeite immer von der Ruhe in die Ruhe! 
  • Entspannung gepaart mit gegenseitigem Vertrauen sind die Standbeine der Ruhe im Pferd.